Ausbildungsmarkt

Immer weniger Betriebe bilden aus

Nur noch jedes fünfte Unternehmen in Deutschland bildet aus. Mit 21,7 Prozent hat die Ausbildungsbetriebsquote den niedrigsten Stand seit 1999 erreicht. Und 76.000 junge Menschen haben 2012 keine Lehrstelle bekommen. Das geht aus dem heute (15. Mai) vorgestellten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervor. Gleichzeitig ruft die Wirtschaft immer lauter nach Lehrlingen und klagt über viele unbesetzte Ausbildungsplätze. "Das ist ein Armutszeugnis mit Blick auf den sich verschärfenden Fachkräftebedarf", sagt Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE.

Daniel Pilar

Immer weniger Unternehmen wollen junge Menschen ausbilden. Immer weniger Unternehmen wollen junge Menschen ausbilden.

Die Bundesregierung sieht diese Entwicklung jedoch mit weit weniger Sorgen. So wird der von ihr vorgestellte und vom Kabinett verabschiedete Berufsbildungsbericht 2013 denkbar positiv beworben: Mit "Ausbildungsmarktsituation weiterhin gut" ist die entsprechende Meldung auf der Ministeriums-Homepage überschrieben. Dabei enthält der Bericht durchaus Zahlen, die alamierend sind.

"Wir erleben einen historischen Tiefstand bei den Abschlüssen von Ausbildungsverträgen", sagt Edeltraud Glänzer. So fanden laut Bilanz des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 76 000 junge Menschen bis zum gesetzlichen Stichtag 30. September keinen Ausbildungsplatz. Das waren 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden mehr als 33.000 gemeldete Stellen nicht besetzt. 

Und auch die 551.272 Neuabschlüsse bedeuten ein Minus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einen niedrigeren Wert gab es seit der Wiedervereinigung nur einmal (im Jahr 2005). Und auch die Anzahl der Altbewerber, die Jahr für Jahr keine Lehrstelle erhalten und in fragwürdigen Maßnahmen landen, ist noch nicht nennenswert reduziert. "Von einer wirklichen Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt kann also keine Rede sein", sagt Glänzer.

Um die Lage auf dem Lehrstellenmarkt insgesamt zu verbessern, seien, so Glänzer, die Unternehmen auch gefordert, ihr Einstellungsverhalten zu verändern. Der faktische Ausschluss vieler Ausbildungsberufe für junge Menschen mit niedrigeren Schulabschlüssen müsse endlich beendet werden. Erforderliche Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen oder Regelangeboten müssten entsprechend ausgebaut werden.  "Die Unternehmen dürfen hier nicht aus ihrer Verantwortung genommen werden", sagt Edeltraud Glänzer. "Das regelmäßig wiederkehrende Lamentieren über die mangelnde Ausbildungsreife und das gleichzeitige Nichtstun sind nur schwer zu ertragen."

Immerhin konnte die IG BCE zusammen mit den Arbeitgebern in der chemischen Industrie entgegen dem Trend das Ausbildungsplatzangebot von 9.440 Stellen im Jahr 2011 auf 9.583 Ausbildungsplätze in 2012 noch einmal erhöhen.  

 

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