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12.06.2019

Von: Sigrid Krings

Tipps Reiseplanung

Endlich faireisen!

Sommerzeit ist Reisezeit - und zunehmend werden soziale und ökologische Nachhaltigkeit bei der Urlaubsplanung wichtig. Denn mit gutem Gewissen machen die schönsten Tage des Jahres noch mehr Spaß.
Kompakt gibt Tipps für verantwortungsvolles Reisen.

Reisen auf eigene Faust kann man eher nachhaltig organisieren. Das ist zwar aufwendiger als Pauschalreisen und braucht mehr Zeit für die Vorbereitung, gibt aber ein gutes Gefühl.

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm für viele Arbeitnehmer die schönste Zeit des Jahres: der große Sommerurlaub. Die meisten fragen sich schon einige Monate im Voraus: Wohin soll es dieses Mal gehen? Wie kommt man am besten hin? Mit dem Flugzeug, mit dem Auto, dem Schiff, dem Rad oder gar: Urlaub auf Balkonien? Wo bekomme ich die besten Konditionen für die anvisierte Reise? Sich mit der Planung der Reise zu beschäftigen, das macht Spaß. Fast jedes Ziel auf der Welt lässt sich erreichen, viele sogar ganz bequem mit einem Direktflug. Nie war die Reiselust der Menschen größer, die jährlich neu aufgestellten Statistiken des Deutschen Reiseverbands (DRV) dokumentieren wieder und wieder Zuwächse. Mehr als 1,7 Milliarden Tage verbrachten die Deutschen im Jahr 2018 auf längeren Reisen und Ausflügen. In Entwicklungs- und Schwellenländern sind die deutschen Touristen für insgesamt 19 Milliarden Euro Bruttoinlandsprodukt verantwortlich.

Wo so viel Licht ist, gibt es aber auch Schattenseiten. Beispiel Kreuzfahrt, einer der größten Wachstumsmärkte hierzulande: Seit 1995 ist dieser Markt um sage und schreibe 870 Prozent gewachsen. Passagiere werden auf unzähligen riesigen Schiffen auf hoher See rund um die Uhr verwöhnt, es gibt Essen in Hülle und Fülle zu jeder Tages- und Nachtzeit. Was passiert mit dem Müll?
Auf manchen Luxuslinern werden die Kabinen sogar zwei Mal täglich von unauffällig tätigen Händen für Tag und Nacht hergerichtet.
Arbeiten diese fleißigen Menschen unter guten Bedingungen? Bekommen sie einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit und werden Sozialleistungen für sie abgeführt? Wer nicht nur darüber sprechen, sondern einen Beitrag für einen nachhaltigeren Tourismus leisten möchte, macht seinen Urlaub am besten selbst so. Und zwar in Bezug auf Umwelt-, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Das klingt erst einmal etwas kompliziert, ist es aber gar nicht. Es gibt inzwischen nämlich einige Reiseveranstalter, die sich genau darauf spezialisiert und die Nachhaltigkeit ihrer Angebote im Blick haben. Diese Veranstalter findet man am einfachsten online über das Internet. Einfach die Stichworte „nachhaltig reisen“ eingeben, schon tun sich etliche Fundstellen auf, die man abklappern kann.

Ganz auf Nummer sicher geht man, wenn man seine Reise über das Onlineportal des Verbands „forum anders reisen“ sucht und dann bei einem der im Verband zusammengeschlossenen Reiseanbieter seine Reise bucht.
„Wir als Verband verkaufen selbst keine Reisen“, betont Petra Thomas, seit 2014 Geschäftsführerin des vor 20 Jahren gegründeten Verbands.
Mitglied im „forum anders reisen“ können nur Veranstalter werden, die einen umfassenden Kriterienkatalog erfüllen und zusätzlich von einem externen, unabhängigen Gutachter zertifiziert wurden. 140 Reiseanbieter gehören momentan dem Verband an, man findet die unterschiedlichsten Reisen in fast jedes Land der Welt. Man muss aber nicht über einen Veranstalter buchen. Auch auf eigene Faust kann man seine Reise nachhaltig organisieren. Das ist ein bisschen aufwendiger und braucht auf jeden Fall mehr Zeit für die Vorbereitung. Ein guter Orientierungspunkt bei der Organisation sind Zertifizierungslabels. Petra Thomas sagt: Wer werteorientiert arbeite, der trage dies in der Regel auch nach außen. Er lasse sich also in irgendeiner Art und Weise zertifizieren. Das zeigt schon den Knackpunkt: Es gibt weltweit nicht nur drei oder vier, sondern mehr als 150 unterschiedliche Gütesiegel. Aber besser ein Siegel als gar keins, findet die Fachfrau.
Sich innerhalb der Gütesiegel zurechtzufinden, ist keine einfache Aufgabe. Eine gute Hilfe ist die Broschüre „Nachhaltigkeit im Tourismus – Wegweiser durch den Labeldschungel“, die man auf der Internetseite des Schweizer Vereins „fairunterwegs“ findet und sich als PDF herunterladen kann. Sie listet die 20 wichtigsten internationalen Gütesiegel für Beherbergungsbetriebe, Reiseangebote und Reiseveranstalter auf und ist mit der Neuauflage aus dem Jahr 2016 auch recht aktuell. Alle Siegel wurden von den vier Herausgebern, zu denen der Evangelische Entwicklungsdienst Brot für die Welt – Tourism Watch gehört, auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft.
Doch nicht jeder Betrieb und jeder Veranstalter kann es sich leisten, sich zertifizieren zu lassen. Eine Zertifizierung ist ein - meist - aufwendiger Prozess, und dieser kostet Geld, manchmal auch viel Geld. Kein Siegel zu haben, bedeutet zum Beispiel bei einem kleinen Hotel also nicht zwangsläufig, dass kein Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird.
Petra Thomas weiß, worauf man achten sollte: „Man kann bei Hotels zum Beispiel auf die Architektur achten“. Passe sich das Gebäude architektonisch landestypisch gut in die vorhandene Struktur und Landschaft ein, so könne dies ein Zeichen dafür sein, dass dem Hotelbetreiber Nachhaltigkeit wichtig sei. Generell gelte: die großen Hotel- und Restaurantketten lieber meiden und die kleinen, inhabergeführten Betriebe bevorzugen. Dies sei die beste Garantie dafür, dass das durch die Urlauber eingenommene Geld auch wieder in das Urlaubsland zurückfließe.
Wer seine freien Tage lieber mit Hilfe eines Reisebüros planen möchte, sollte dort gleich am Beginn des ersten Gesprächs gezielt darauf hinweisen, dass er möglichst nachhaltig reisen möchte. In einem in Reisebüros häufig eingesetzten Reservierungsportal lässt sich von den Mitarbeitern in einer gesonderten Rubrik auf einen Blick erkennen, ob ein Betrieb zertifiziert ist oder nicht. „Wenn man allerdings auf seinen Hinweis auf den Wunsch nach Nachhaltigkeit schon komische Blicke erntet, dann sollte man sich lieber ein anderes Reisebüro suchen“, rät die Geschäftsführerin des „forums anders reisen“.